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Der Friseur im Toilettenhaus: Kinky’s im Dortmunder Westpark

Heute stelle ich den lustigsten Friseursalon überhaupt vor – gleichzeitig dürfte es wohl eines der ungewöhnlichsten Nutzungskonzepte für ein altes Gemäuer sein: Das „Kinky’s“ befindet sich in einem ehemaligen Klohaus des Dortmunder Westparks.

Fünfzehn Jahre stand die ehemalige Bedürfnisanstalt, die ursprünglich für den damals angrenzenden Markt gedacht war, leer. Aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst wurde es 2005, als sich der Friseur Frank Griewel entschloss, das unter Denkmalschutz stehende Kleinod von der Stadt zu kaufen und es in eineinhalb Jahren Arbeit zu einem der verrücktesten Friseurläden des Reviers umbaute. Ungewöhnliche Konzepte liegen Frank, der bis dahin in Dortmund mit seinem „Wohnzimmersalon“ bekannt war. Früher kamen die Kunden in sein Wohnzimmer, jetzt kommen sie ins Klohaus.

Diese Idee gefällt mir so ausnehmend gut, dass ich Frank heute einige Fragen dazu stellen möchte.

 Salon3

H. B.: Frank, danke, dass Du Dir trotz des Salonumbaus, der gerade stattfindet, Zeit für einige Fragen nimmst. Erzähl uns doch bitte, wie es damals zu dieser, wie ich finde, genialen Idee kam und welche „Finessen“ Du Dir für Deinen Salon ausgedacht hast.

F. G.: Mir war wichtig, die Historie des Gebäudes nicht zu verstecken, immerhin ist es ja aus dem Jahr 1927. Einige Elemente habe ich daher ganz bewusst beim Umbau erhalten oder thematisch wieder neu aufgenommen. Wo früher die Herren ihr Wasser an der Pissrinne abgeschlagen haben, ziehen nun liebevoll gepflegte Goldfische ihre Bahnen. Und das Haarewaschen? Ganz entspannt auf einer der Liegen Platz nehmen und den Schopf ins Bidet hängen. Gespült wird also auch heute noch, nur anders!

 

Fische 

Zu Füßen der Kunden drehen heute Goldfische ihre Runden

H . B.: Auf Facebook postest Du zurzeit etwas über Dein „Haarexperiment“, eine Art Rastaman-Dutt. Was hat es damit auf sich?

F. G.:  Hihi, ja, der Rastaman-Look! Ich war mit einer guten Freundin in Barcelona zu einem Yoga-Convent. Dort fielen mir einige Yogis auf, die eine Glatze hatten, aber am Hinterkopf diesen Rasta-Dutt trugen. Ich war schwer beeindruckt, mit welcher Geschicklichkeit sie sich im Handumdrehen einen coolen Dutt zauberten, mit minimalistischer Halterung, nämlich einem Haar-Stäbchen! Und da dachte ich mir gleich: wenn ich auch nicht so erleuchtet bin, fange ich doch zumindest mal mit der Hardware an! Es ist unfassbar, was man mit diesem Look anscheinend provoziert, was jedoch gar nicht meine Absicht war! Ein älteres Ehepaar wechselte sogar die Straßenseite, um ganz sicherzugehen, den sprungkräftigen Flöhen aus dem weg zu gehen! Nach einigen negativen Kommentaren von Freunden war ich zwar ein wenig verunsichert – doch je mehr man gegen mich und meine Ideen wettert, umso mehr setze ich mich durch. Ein banales Frisurenbeispiel, aber es macht wahnsinnigen Spaß!

 

 Rastadutt

Rechts der Rastadutt, links der klassische Dutt, wie Mutter Griewel ihn trägt

 

H. B.: Gibt es so eine Art „Westpark-Look“ bei Deinen Kundinnen? Und was sind die Trends für 2016?

F. G.: Nein, den typischen ‚Westpark-Look’ gibt es nicht (lacht)! Aber meine Empfehlung in Sachen Frisuren lautet: sei immer ganz du selbst und bleib dir treu. Authentizität ist das einzige, was dich stark macht!

H. B.: Danke, lieber Frank – wahrscheinlich verstehen wir uns deshalb so gut, denn mein Motto lautet ja: Be you – be true!

 

Friseur

Nur der Goldfisch war Zeuge: Frank macht aus meiner Naturkrause eine Außenwelle!

Und für alle, die mehr erfahren möchten:

http://www.kinkys.de

 

 

Categories: Haar-Tipps, Interview

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