Hilde-Querformat

Hilde Willes: Irgendwo im Nirgendwo

Hilde und ich kannten uns schon eine ganze Weile von Facebook und waren uns auf Anhieb sympathisch. Als ihr Verleger mir sagte: „Demnächst bekommst du ein Buch von einer ganz tollen Autorin zum Lektorieren, es ist das neue Werk von Hilde Willes“, habe ich vor Freude auf dem Tisch getanzt. Hilde wusste zu diesem Zeitpunkt noch gar nichts davon – umso größer war die Freude dann hinterher.

Irgendwo im Nirgendwo“ ist Hildes zweites Buch, sie beschreibt darin ihre Kindheit in einem kleinen Dorf, wo es Mitte der 1960-er Jahren wohl alles andere als lustig war, von Natur aus rothaarig und sommersprossig zu sein, daher steigen wir an diesem Punkt auch direkt ein.

H.B.: Hilde, in einer Szene erzählst Du von den Annäherungsversuchen eines Jungen, was damit endet, dass Du ihn in die Brennnesseln schubst und er Dir hinterherruft: „Du dämlicher Streuselkuchen!“ War es seinerzeit mehr Fluch als Segen, rothaarig zu sein? Und welche Rolle hatte diese Haarfarbe in Deinem späteren Leben?

H.W: Einen schönen guten Morgen allerseits und vielen Dank, liebe Valeska, dass ich heute in deinem interessanten Bog ein wenig erzählen darf!

Oh ja, als Kind und Jugendliche habe ich unter meiner Haarfarbe sehr gelitten, auch wenn meine Oma mich immer wieder getröstet und mir bestätigt hat, wie wunderschön sie doch sei. Klar, sie hat mir diesen „Makel“ ja vererbt. Es war schlimm, wenn andere Kinder hinter mir her riefen: „Da kommt der Fuchs, der holt die Gans!“ oder mich „Backsteinblondes mit den Streuseln im Gesicht“ schimpften. Noch furchtbarer, wenn sie mich sogar als Hexe auf den Scheiterhaufen schicken wollten. Da konnten sich die Haare noch so hübsch in Korkenzieherlocken fast bis zum Allerwertesten kringeln, sie machten mich kreuzunglücklich.

Und das Haarewaschen! Auch so eine Tortur, weil meine Mutter es anschließend mit einem Kamm zu entwirren versuchte, der ganz feine und engstehende Zinken hatte. Dass ich dabei stets Zeter und Mordio krakeelte, ist wohl klar!

Hier eine Passage aus „Irgendwo im Nirgendwo“:

Viel schöner war’s, wenn Oma das machte. Sie hatte eine goldfarbene Bürste mit ganz weichen Borsten, wickelte mich in eine warme Decke, sang ein schönes Lied und zählte hundert Striche. Wer so lange bürsten konnte, der hatte Ruhe, Zeit und Zärtlichkeit, und genau das war das Wundervolle!

Irgendwann hatte meine Mutter die Nase voll von diesem Theater, sie ließ mir die Haare abschneiden und machte eine „Prinzessin Eisenherz“ aus mir. Damit wurde es jedoch noch schlimmer. Bis mir mein Opa ein Schwert aus Holz schnitzte, mit dem ich dann meine Ehre verteidigen konnte.

Heute mag ich mein Rot, habe mich längst damit angefreundet. Viele geben teures Geld dafür aus, es in dieser Farbe zu färben oder zu tönen. Zwar hat es sich im Laufe der Jahre von selbst etwas aufgehellt, graue Haare sind bisher jedoch recht wenige zu finden. Ich weiß noch, dass auch meine Großmutter bis ins hohe Alter hinein ihre schöne Farbe behalten hatte. Und übrigens, die „Streusel im Gesicht“ haben sich im Laufe der Zeit irgendwohin „verkrümelt“, ich habe kaum noch Sommersprossen.

 

Hilde-See

 

H.B.: Ja, da gebe ich dir Recht, ich weiß noch aus meinen Jahren im Friseurberuf, dass Rot nicht nur schwer zu färben ist, sondern auch schnell verblasst, da die roten Farbmoleküle kleiner sind als bei anderen Farben. Aber kommen wir wieder auf Dein Buch zu sprechen. Was mich besonders fasziniert hat ist, dass Du selbst die schwierigen Momente mit Deinem ganz eigenen, feinen Humor beschreibst. Ist das Dein „Rezept“ für ein glückliches Leben?

H.W.: Zumindest ist es eine Art Leitfaden, eher aber noch ein weiterer Erbfaktor, den mir meine Oma mitgegeben hat. Natürlich gab und gibt es auch bei mir Zeiten, die nicht wirklich lustig waren/sind. Gerade dann hilft mir sehr oft der Humor, er lässt sich einfach nicht unterkriegen. Im Bekanntenkreis bin ich oft der Clown, der die anderen zum Lachen bringen kann.

Weiterhin begegnete ich einigen Menschen, die mit Depressionen usw. zu kämpfen haben, auch im engsten Kreis. Deshalb erzähle ich auch in meinem Buch von einer „Krankheit ohne Namen“. Diesen Leuten zu helfen und/oder sie aus ihrer Schwermut herauszuholen, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Gerade das war und ist mir aber stets ein mahnendes Beispiel gewesen. Nämlich, dass ich niemals so werden will, ganz egal, was kommen sollte. Natürlich ist das nicht immer möglich, das weiß ich schon. Manchmal kann man sich einfach nicht dagegen wehren.

Trotzdem versuche ich für meinen Teil, vielem mit Humor zu begegnen, hin und wieder auch mit Ironie, sogar Sarkasmus. Im Klappentext meines Buches schrieb ich: „Denn gerade der ernste Schalk vermag es, manchem die Dinge ins rechte Licht zu rücken.“

Wenn ich ein Tief habe, deprimiert vor mich hin heule, leide und nicht weiter weiß, dann lege ich mich z. B. abends ins Bett und sage mir mit dieser unbeirrbaren Gewissheit: „Morgen ist ein neuer Tag!“ … und das stimmt sogar!

 

Hilde-Hund

 

H.B.: Hast Du schon neue Buchprojekte, über die Du uns etwas erzählen kannst?

H.W.:  Oh ja, das habe ich … reichlich! Ob der Rest meiner Tage noch ausreichen wird, dies alles in die Tat umzusetzen? Immerhin hat man ja auch noch ein berufliches und privates Leben nebenbei … lach!

Aktuell arbeite ich an drei Projekten, möchte gerne chronologisch vorgehen, aber zuweilen springt man von einem zum anderen, je nachdem, in welcher Stimmung man gerade ist.

Meine ersten beiden Bücher tragen eindeutig autobiografische Züge. Das kann ich durchaus zugeben, denn alle, die mich persönlich kennen, wissen auch von den Geschichten. Künftiges jedoch wird nicht mehr von mir handeln. Dennoch steckt in jeder meiner Erzählungen mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit. Ich höre den Lebensgeschichten anderer Menschen aufmerksam zu. Manches beeindruckt mich so sehr, dass sich eine Story bildet im Kopf. Wenn ich darf, dann schreibe ich sie auf. Hinsehen und zuhören, spicken mit Fantasie und der Wunsch, die Menschen zu unterhalten und zu berühren. Das ist Hilde Willes, weil … sie will es!

Ein Projekt erzählt von einer Frau, die wahrlich keine leichte Vergangenheit hat. Drei verschiedene Lebensabschnittsgefährten, von jedem ein Kind. All diese Männer ein Fall für sich, einer davon brachte sie sogar in solch eine Abhängigkeit, dass sie sich für ihn prostituieren musste. Was diese Frau durchgemacht hat, das ist eine Geschichte wert.

In einem anderen Projekt möchte ich diese fortschreitenden Entwicklungen der virtuellen Liebesbeziehungen aufs Korn nehmen. Einsame Menschen auf der Suche nach dem Glück, Singleportale und was man dort so alles erleben kann. Mit all den heutigen technischen Möglichkeiten und Spielereien scheinbar gang und gäbe.

Ich spinne mir da auch nichts zusammen, weil ich mich selbst zum Recherchieren in einige dieser Portale eingeloggt und meine Erfahrungen gemacht habe, überwiegend theoretischer Art jedoch! Was ich zuweilen mitbekam, das reicht mir für den Rest meiner Tage. Aber auch das scheint mir ein interessantes Thema für einen weiteren Roman.

Das dritte Projekt dreht sich um ein Klassentreffen, in dem ehemalige SchülerInnen sich nach vielen Jahren wiedersehen. Vier Frauen insbesondere, die seinerzeit gute Freundinnen gewesen waren, sich später aber aus den Augen verloren. Drei dieser Frauen haben nichts von dem erreicht, was sie einmal für ihr Leben planten. Die Vierte fragt sich natürlich, was ist geschehen? Im Laufe der Veranstaltung kommen dann Dinge zutage, die dieser Vierten den Atem stocken lässt, und am Ende geschieht sogar ein Mord …

In all meinen Geschichten wird es immer um Liebe, Leben und Leidenschaft gehen … und ein wenig Schicksal noch hinzu. Erzählungen mitten aus dem Pulsschlag des Daseins gegriffen. Sie begegnen einem an jeder Ecke, wenn man die Augen und Ohren öffnet – hinsieht und zuhört!

Hilde-Buch

Hilde Willes mit ihrem ersten Buch „Wenn Mauern fallen“

 

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Hilde-Cover

https://www.amazon.de/Irgendwo-im-Nirgendwo-Hilde-Willes/dp/3848209926/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1464968662&sr=8-1&keywords=hilde+willes

 

 

Categories: Haar-Tipps, Interview

2 comments

  • Hilde Willes

    Liebe Marion,
    ganz herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich freue mich sehr! <3
    Das sind diese Momente! <3
    Ich wünsche dir und deinem Mann eine wunderschöne goldene Herbstzeit … mit so mancher Erinnerung an andere , frühere Zeiten.
    Obwohl … jede Zeit kann eine gute Zeit sein!
    Liebe Grüße
    Hilde

  • Marion Wolf-Jaenisch

    Ein wunderschönes Buch „Irgendwo im Nirgendwo“. Ich bin 1950 hier in Wanfried geboren und war seit 1969 für 40 Jahre weg, In Reutlingen, Berlin und Frankfurt. Seit 2009 leben wir (meine Familie) wieder hier, haben uns ein Haus gekauft und fühlen uns sauwohl in meiner Heimat. Alles was du, liebe Hilde will es schreibst, es kommt mir vor, als wäre ich du. Ich konnte es kaum weglegen. Mach weiter so. Mein Mann hat mir dieses Buch nachträglich zu meinem Geburtstag geschenkt. Er liest es jetzt auch. Ich hab ihm schon gesagt, dass so meine Jugend verlaufen ist, mit der ganzen Familie, Oma und Opa im Fachwerkhäuschen.
    Liebe Grüße
    Marion

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